Gebetswoche in Rom für Einheit der Christen

jöb. ROM, 19. Januar. Erstmals ist am Mittwochabend in Rom zum Auftakt der Gebetswoche für die Einheit der Christen ein lutherisch-katholischer Gottesdienst nach der gemeinsamen Liturgie von Lund gefeiert worden. Dabei predigten gleichrangig nebeneinander der Präsident des päpstlichen Einheitsrates, Kurt Kardinal Koch, und die Frau Präses der evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus. Zehn Konzelebranten und drei Chöre bezeugten Freude darüber, dass katholische und evangelische Christen heute endlich gemeinsam die Reformation feiern können, solange sie bereit sind, Buße für das gegenseitig zugefügte Leid der Religionskriege zu tun.

Die Kirchenspaltung hatte 1520 mit der Bannbulle von Papst Leo X. gegen Martin Luther begonnen; und so passte es, dass zu diesem historischen Ereignis die Kopie der Exkommunikation des Reformators im Schaukasten unter der Kanzel der beiden Prediger lag – neben der gemeinsamen Erklärung der Lutheraner und der Katholiken zur Rechtfertigungslehre von 1999 und dem Abendmahlskelch, den Papst Franziskus der deutschsprachigen Gemeinde im November 2015 geschenkt hatte.

Beim Gleichnis von den zwei Söhnen aus dem Evangelium habe Rom jahrhundertelang denjenigen als evangelischen Abtrünnigen gesehen, der mit dem Erbe des noch lebenden Vaters aufbrach, um es in der Fremde zu verprassen. Heute sei dagegen die Feststellung ökumenisches Anliegen, „dass beide Söhne der Umkehr bedürfen, freilich nicht der Umkehr des einen zum anderen, sondern der gemeinsamen Umkehr zum Vater“. Denn das Kernanliegen des Evangeliums sei dessen Offenherzigkeit: Barmherzigkeit und Versöhnung müssten so auch den ökumenischen Weg leiten. Im Auge göttlicher Liebe seien die legitimen Unterschiede der Konfessionen nicht mehr Hindernisse, sondern Bereicherung im Glauben, sagte Koch.

Am Mittwochmorgen hatte der Papst bei der Generalaudienz die deutsche Delegation unter Frau Präses Kurschus mit den Worten begrüßt, ihn bewege weiter das ökumenische Gebet im schwedischen Lund, mit dem Christi Evangelium zur Mitte wurde. Der gemeinsame christliche Glaube sei das „grüne Band der Hoffnung in Europa“, sagte der Papst. Und: „Wir gehören zueinander. Gemeinschaft, Versöhnung und Einheit sind möglich.“ Zum Auftakt des Reformationsgedenkens hatten Papst Franziskus und der Vorsitzende des Lutherischen Weltbundes, Bischof Munib Younan, am 31. Oktober in Lund erstmals die Liturgie „2017 gemeinsam unterwegs“ gefeiert. Derweil bringt die Vatikanische Post zum 500. Jahrestag der 95 Ablassthesen Luthers eine Briefmarke mit dem Antlitz des Reformators heraus.