Römer 1, 13-17

Liebe Gemeinde in Rom,

bevor wir auf diesen großartigen Text aus dem Römerbrief hören, der zu den heutigen Lesungen gehört, möchte ich mich bei Ihnen bedanken! Ich möchte mich bedanken für die großartige Gastfreundschaft, die wiederkehrenden Begegnungen über die Jahre und die Herzlichkeit, mit der Sie als römische Gemeinde mir und der Gruppe aus Schaumburg begegnen und seit 2016  immer wieder begegnet sind. Heute darf ich über einen Text des Apostels Paulus mit Ihnen gemeinsam nachdenken und ihn auf uns wirken lassen. In den Brieftexten des Apostels ist immer wieder davon die Rede, wie wichtig es ist, sich über Zeit und Raum verbunden zu bleiben, sich ab und zu zu treffen, zu sehen von Angesicht zu Angesicht,  füreinander zu beten und aneinander zu denken. Ich gebe zu, als Knabe und junger Mann habe ich mit den bisweilen sehr lehrhaften Briefen des Apostels nicht besonders viel anfangen können. Ich habe mich pflichtgemäß mit ihnen befasst. Besonders der Römerbrief des Apostels Paulus ist ja so etwas wie die erste Dogmatik innerhalb des Neuen Testamentes. Da sind die Gleichniserzählungen Jesu, ihr Bilderreichtum und ihre überraschenden Wendungen für mich als Knabe und junger Mann inspirierender gewesen. Ansprechender einfach!

Durch die Begegnungen mit Ihnen seit 2016, liebe römische Gemeinde, sprechen diese Briefpassagen des Apostels Paulus für mich viel intensiver und konkreter als zuvor. Ich habe es Ihnen, liebe Gemeinde, zu verdanken, dass ich den Römerbrief inzwischen viel besser verstehe. Es hat einen Wert, über Zeit und Raum verbunden zu sein. Es ist etwas sehr Konkretes, an Sie alle zu denken, Ihre Kirche und die Gesichter Ihrer Gemeinde vor Augen zu haben und sich mit Ihnen verbunden zu fühlen. Also – vielen Dank für die erschließende Kraft für das Verständnis des Römerbriefes, die Sie mir schenken und für die Herzlichkeit am heutigen Tag. Nun aber zum Text! Denn das macht ja eine christliche Gemeinde aus, dass sie miteinander singt, wunderbare Musik hört, der Stille und der Unterbrechung der Geschäftigkeit im Gottesdienst einen Wert gibt. Und dass sie auf einen biblischen Text hört.

 

Einen Satz will ich heute an den Anfang stellen. „Ich schäme des Evangeliums nicht. Denn es ist eine große Kraft Gottes.“  Gott segne unser Hören und Nachdenken und Reden – Amen!) Große Worte machen! – das, liebe Gemeinde, das kann der Apostel. Und diese großen Worte sind es, die berühmt wurden: „Ich schäme mich des Evangeliums nicht und die Gerechtigkeit Gottes wird offenbar werden“ Das sind große Worte. Zweifellos. Sie verheißen zu Beginn eines Briefes, des Römerbriefes unseres Apostels, dass es hier um Grundsätzliches geht. Der Sprecher wird grundsätzlich und verlangt und erwartet, dass auch seine Zuhörerinnen und Zuhörer bei sich nachforschen, mit welcher Haltung sie ihren Glauben leben und wie sie ihrem Gott begegnen.

 

  1. Keine falsche Scham

‚Ich schäme mich des Evangeliums nicht‘. Das sind große und tragende Worte. Durch ihre Sprachkraft haben sie gewirkt. Sie sind durch die Reformation, durch die Auslegung von Martin Luther auf einen großen und hohen Sockel gestellt worden. Sie verheißen im Wechsel der Zeiten Identität und Unverrückbarkeit des Glaubens. Das sind identitätsstiftende Worte. Halten sie im Ernstfall, was sie versprechen? Denn auf große Worte folgen oft nur größere Enttäuschungen. Wir kennen das aus unseren Erfahrungen mit Politikerinnen und Politikern, auch mit Kirchenleuten – in Deutschland und in Italien. Vor der Wahl große Worte – nach der Wahl die Wirklichkeit, die bisweilen so komplex ist, dass große Worte und große Ziele, zuvor auf den Bühnen dieser Welt verkündet, nicht gehalten werden können. Große Worte überfordern die Sprecherinnen und Sprecher und auch die Zuhörer bisweilen. Denn wenn man von den wortgewaltigen selber nach so vielen großen Worten endlich Taten sehen will, dann bleibt oft im besten Fall Scham und Beschämung zurück. Und in der Tat: schämen müssen sie sich dann. Die großen Worte müssen vor Scham vergehen, wenn sie dem Ernstfall nicht standzuhalten vermögen. Wenn jemand davon spricht, dass er sich des Evangeliums nicht schämt und an der ersten Biegung, die das Leben ihm zumutet, kleinmütig sein Gottvertrauen verliert oder in die Ecke legt, dann bleibt nur Enttäuschung. Auch Enttäuschung bei denen, die sich in ihren Zweifel gerne anlehnen wollten.

 

Von Simon Petrus wird eine solche Geschichte erzählt, dass er pausbäckig große Worte machte und ewige Treue schwören mochte und bei der ersten Nachfrage seinen Glauben verleugnete und sich des Meisters schämte. Wollen wir also sehen, dass wir Worte nicht zu früh auf einen Sockel stellen, sondern sie überprüfen. Und dann, wenn wir sie geprüft haben in ihrem Wert, können wir sie immer noch erhöhen und vollmundig aussprechen. Wenn wir denn für uns geprüft haben, ob sie sich in unserer Lebenshaltung bewähren.

 

‚Ich schäme mich des Evangeliums nicht!‘ Unsere reformatorischen Väter und Mütter haben dieses Wort mit dem Psalm 119 an den Anfang ihres Bekenntnisses in Augsburg gestellt. Wer glaubt, ist stolz auf seinen Gott. Und wenn es um den Glauben geht, sagt Martin Luther mit unseren reformatorischen Vätern und Müttern, dann sei so stolz wie du irgend kannst. Was erlaubt den Christenmenschen derart stolz zu sein? Wir haben heute eher Hemmungen, vom Stolz des Glaubens zu reden. Kritik und Selbstkritik des Christentums, des Protestantismus zumal haben uns fast schon vergessen lassen, dass ein Christenmensch ein freier Herr ist über alle Dinge und niemanden untertan. Wir zitieren das zwar noch hin und wieder an Sonntagen und besonderen Festtagen. Und es klingt ja auch gut und stark. Aber gelebt wird dieser Satz nur da, wo man zugleich stolz darauf ist, frei zu sein. Ohne Stolz auf die Freiheit geht die Freiheit zugrunde. Ohne Stolz auf den Glauben geht der Glaube zugrunde. Und da haben wir zumindestens in Deutschland, vielleicht insgesamt in der westlichen Welt, ein großes Problem. Riecht solcher Stolz nicht gerade nach Imperialismus, nach Überheblichkeit, nach Unduldsamkeit. Wer will sich schon dem Verdacht aussetzen, ein Imperialist zu sein, seinen Glauben über den anderer zu stellen. Seinen Glauben so hoch zu halten, dass Unglaube und Zweifel sich bedrängt fühlen. Wir sind es längst gewohnt, Glaube nur noch auf Demut und immer wieder auf Demut zu reimen.

 

Wenn wir auf die historisch gnadenlosen Folgen des Christentums und des kirchlichen Handelns schauen, dann sind wir, wenn nicht demütig, so doch zumindestens kleinmütig geworden gegenüber der nichtchristlichen Menschheit. Dass Gott selbst gegenüber demütig zu sein unsere Pflicht ist, das steht im Gesangbuch und das singen wir täglich. Es ist ja auch wahrhaftig nicht falsch, angesichts des eigenen Lebens demütig gegenüber Gott zu sein. Und äußerst respektvoll gegenüber dem Glauben anderer und auch gegenüber dem Zweifel des Zweiflers. Aber, die Worte des Paulus, machen uns auf etwas sehr wichtiges aufmerksam: Alle fromme Demut wird zu einer schrecklichen Perversion des Christentums, wenn sie sich nicht verträgt mit dem eigenartigen Stolz, ohne den ein Mensch nicht Gottes Kind sein kann.

 

  1. Stolz auf den Glauben

In der Tat müssen wir auf die Kinder achten, wenn wir das recht verstehen wollen. Kindern kann ja kaum etwas Schlimmeres widerfahren als dies, dass ihr Stolz auf den Vater oder die Mutter oder den Großvater oder die Schwester in einer ganz ursprünglichen Weise gekränkt oder zerstört wird. Ohne auf Vater und Mutter in einer ganz ursprünglichen Weise stolz zu sein, kann ein Kind nicht mit sich selbst zufrieden sein. Denn im natürlichen, im ursprünglichen Stolz des Kindes auf seine Eltern drückt sich aus, wie sehr es Vater und Mutter liebt und wie sehr es sich von seinen Eltern geliebt weiß. Es wird mit seinen schwachen Kräften und mit oft törichten Mitteln alles tun, um die Ehre der Eltern zu verteidigen, wenn diese in Gefahr gerät. Im kindlichen Stolz bekennt sich das Kind zu seinen Eltern. Ähnlich verhält es sich mit dem Stolz des Glaubens. Ein Herz, das Demut liebet und nicht zugleich stolz ist auf seinen Gott, wäre gerade kein gläubiges, sondern nur ein devotes Menschenherz. Wer Gott nur immer wieder fürchten gelernt hat, der wird, wenn er ein halbwegs gesunder Mensch im Glauben sein will, diesen fürchterlichen Gott am Ende fürchten und hassen und sich von ihm lossagen. Doch wir sollen Gott fürchten und lieben. Und Gottvertrauen im Leben – das ist ein Edelstein, neben dem alle natürlichen Juwelen ihren Glanz verlieren. Mit Gottvertrauen kann man sich vor Königen sehen lassen, ohne zuschanden zu werden. Mit Gottvertrauen erträgt man Umwege des Lebens, die einen ohne Gottvertrauen möglicherweise in eine Verzweiflung führen, aus der man nie wieder herausfindet. Also – der Stolz des Glauben ist etwas Lebenswichtiges für ein hoffnungsvolles Herz. Wir sind hier nicht auf uns selbst, auf das eigene Ich stolz – sondern auf den, der Himmel und Erde gemacht hat. Es ist also der Stolz, einen Gott zu haben, dem man vertrauen, den man sich anvertrauen, auf dem man sich verlassen kann, der sich in diesen wunderbaren Satz des Apostels Paulus ausdrückt. Von diesem Glauben muss man erzählen. Die Erzählform ist die Sprache des Glaubens und das will ich nun versuchen.

 

  1. Der sich entfaltende Stolz
  2. a) Glaube versetzt Berge

Vor meiner Zeit in Bückeburg war ich Pastor und Superintendent in Aurich. Ich glaube, der Vorsitzende Ihres Kirchenvorstandes, Professor Thomas war auch in jungen Jahren in Aurich tätig. Wir haben uns einmal darüber ausgetauscht. In Aurich, im äußersten Nordwesten Deutschlands, lässt es sich gut leben. Man hat auch eine gewisse Sicherheit, wann man aufräumen muss oder den Garten bestellen. Denn dort ist es so flach, dass man heute sieht, wenn man vor die Tür tritt, wer morgen zu Besuch kommt. Eines Tages im Jahr 2007 bekamen wir Besuch aus dem Sudan. Wir unterstützten flüchtige Christenmenschen, die vom Süden des Sudan in die Hauptstadt Karthum geflohen waren wegen eines schrecklichen Krieges. Ich hatte mit einer großen Delegation die Gemeinde in Karthum mehrfach besucht. Großartige Gastfreundschaft hatten wir dort erlebt! Nun kam der Bischof von Omdurman, in den Bergen oberhalb von Karthum gelegen, zum Besuch nach Deutschland. Ich holte ihn vom Flughafen ab. Wir fuhren 3 Stunden mit dem Bus durch die norddeutsche Tiefebene von Hannover nach Aurich. Kein Berg, keine natürliche Erhebung war zu sehen. Am nächsten Tag war Empfang für den Bischof und seine Delegation in der großen Festhalle in Aurich. Landrat, Bundestagsabgeordnete waren zu Gast und viele Menschen. Der Gast aus Karthum, der Bischof sprach zu dem Jesjawort ‚Glaube kann Berge versetzen‘. Unnötig hinzuzufügen, dass wir Norddeutsche zurückhaltend sind im Ausdruck. Der Ostfriese spricht wenig. 5 bis 6 Sätze pro Tag. Der Gast aus Karthum sagte nun zum Schluss seiner Rede, er sei voller Bewunderung für die Norddeutschen. Die müssten angesichts der Aussage des Propheten Jesaja ein unglaublich heißblütig gläubiges Volk sein. Denn er habe auf dem Weg vom Flughafen nach Aurich keinen einzigen Berg gesehen. Die Berge seien ganz offensichtlich von den Norddeutschen weggeglaubt worden. Anders könne er sich das Fehlen der Berge kaum erklären. Einige lachten, der Bundestagsabgeordnete ging sofort ans Mikrofon und sagte: Nein, wir sind hier ganz normale Leute. Überhitzt im Glauben ist hier keiner. Ich nahm in meiner Ansprache dann eine andere Seite dieses wunderbaren Satzes von dem Glauben, der Berge versetzen kann, auf. Hier traute uns jemand in unserem Handeln für die Geflüchteten im Sudan eine große Glaubenskraft zu, die wir aus Angst vor einem allzu großen Stolz uns selber gar nicht zugetraut hätten. Und aus diesem Glauben handeln und reden wird. Ein Gast und Freund, der unseren Glauben sah, den wir uns selbst kaum zutrauen mochten geschweige denn stolz auf ihn zu sein!

 

  1. b) Glaube ist bereit, ein Fenster nach draußen zu öffnen.

Ich erinnere mich des Tages, als meine Großmutter starb. Ich erlebte das erste Mal in meinem jungen Leben das Sterben eines Menschen mit. Wir wurden hineingerufen, wir waren beklommen und ängstlich. Wir Kinder! Es wurden Lieder gesungen. Als meine Großmutter eingeschlafen war, öffnete meine Tante ein Fenster. Damit die Seele entweichen kann und damit Mama jetzt zu ihrem Schöpfer zurückkehren kann, sagte sie. Ich weiß, dass die Vorstellung von der Selbstständigkeit der Seele und ihrem Weg zu Gott biblisch durchaus strittig ist. Und dennoch habe ich in dieser Szene erlebt ein Vertrauen, dass die Wege des Menschen mit dem Tod nicht beendet sind, dass die Wege zu Gott immer offen stehen! Dieser Glaube hat eine ungeheure Kraft! Dieses Wort habe ich nicht vergessen. Glaube öffnet Fenster zu Gott, wenn beinahe alles verschlossen ist.

 

  1. c) Glaube lehrt Unterscheidung

Der große Historiker Heinrich August Winkler, der ein epochales Werk über die Geschichte des Westens und der westlichen Kultur, der wir alle angehören, geschrieben hat, beginnt seine Geschichte des Westens mit dem Satz ‚Am Anfang war ein Glaube‘! Also nicht, am Anfang der westlichen Kultur, die eine ungeheure Dynamik in Wissenschaft, Forschung und politischer Macht entfaltet hat, war die Vernunft, sondern am Anfang war der Glaube! Und er beschreibt auch, welchen Glauben er meint. Der Glaube an die Unterscheidung zwischen dem einen Gott, dem wir Verantwortung schulden in unserem Gewissen und in unserem Handeln und den vielen selbstgemachten Göttern. Und Heinrich August Winkler ist mit vielen anderen davon überzeugt, dass die Religion und ihre Kraft, die ja auch gezügelt werden muss,  hat in sich eine Dynamik, die Menschen befähigt, leidenschaftlich und vernünftig zugleich zu leben und zu handeln. Wenn diese Flamme zu schwach wird, die Flamme der Religion, dann halten uns auch Wissenschaft und technisches Können nicht am Leben. Viele in den nicht westlich geprägten Teilen der Erde behaupten das ja inzwischen, dass wir im Westen die Flamme der Religion verachten oder  sie längst verloren haben. Ich halte immer dagegen, wenn ich mit Menschen aus dem arabischen Raum, aus Russland, aus anderen Regionen der Erde zusammentreffe. Möglicherweise ist die Überzeugungskraft der Kirche am Boden, aber die Flamme des Glaubens nicht! Wir schämen uns des Evangeliums nicht. Der wunderbaren Erzählung von der Menschwerdung Gottes.

 

  1. d) Glaube hält eine Gesellschaft am Leben

Ich komme gerade von einer Tagung mit Polizistinnen und Polizisten in Deutschland, die extrem schwere Arbeit zu tun haben. Im Bereich Migration, im Bereich europäische Sicherheit im Mittelmeer und im Bereich der Terrorbekämpfung. Mehrfach im Jahr wollen sie mit mir und anderen Pfarrerinnen und Pfarrern über die innere Haltung sprechen, mit der sie ihren Beruf machen können. Für mich ist das ein großes Zeichen dafür, dass die Religion als Haltung, in der Respekt vor Gott gepflegt wird, um Respekt vor allen Menschen zu behalten, ihren Platz im privaten und im öffentlichen Leben haben muss und auch in Wahrheit hat. Ich hüte mich sehr davor, zu meinen, wo die Zustimmung zu den Kirchen in Deutschland zurückgeht, dass der Glaube als eine inspirierende Kraft nur innerhalb der Kirchenmauern wohnt. Vor Weihnachten habe ich 400 Menschen in meiner Region besucht, die andere im Sterben begleiten oder bei der Trauer um einen Angehörigen helfen. Ich habe mir angewöhnt, mit großem Respekt durch Besuche bei Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten und anderen Organisationen einen Blick dafür zu behalten, wie sehr diese Kraft des Glaubens und der Hoffnung auch außerhalb der Kirchenmauern lebt. Und bisweilen muss meine Kirche sich enorm anstrengen, mit solcher Glaubenskraft mithalten zu können.

 

  1. e) Glaube sorgt für Humor und für die Bereitschaft, Grenzen zu ertragen.

Ich wohne in einem Land, das verliebt ist in Perfektion. Ich fuhr vor 3 Jahren mit einem afrikanischen Freund von Stuttgart nach Hannover. Der Zug kam zu spät, er kam aus Wien. Hatte rd. 30 Minuten Verspätung. Die Menschen auf dem Bahnsteig waren empört. Schon wieder kommt der Zug zu spät, nie kommt der Zug pünktlich. Mein afrikanischer Freund, mit dem ich auf Englisch kommuniziere, fragte mich, warum die Leute so empört sind. Ich sagte ihm, weil der Zug zu spät kommt. Als wir eingestiegen waren, telefonierten viele und redeten empört mit ihren Gesprächspartnern am Telefon von der Zugverspätung. Wieder fragte mich mein afrikanischer Freund, worüber die Menschen sich so aufregen. Ich sagte, weil der Zug zu spät ist. Da fragte mich mein Freund, ob ich wohl eine kurze Ansprache übersetzen wollte, die er nun halten wollte in dem Großraumwagen. Eh ich mich versah, stand er auf und erzählte von Afrika. Er wüsste, dass vieles in Afrika nicht klappt. Wenn er mit dem Zug fahre, sei er immer froh, wenn der Zug noch am gleichen Tag kommt, an dem er angekündigt ist. Er habe noch nie einen pünktlichen Zug erlebt in Afrika. Er sei begeistert von dem großartigen Land Deutschland. Wohlhabend und gut sei dieses Land. Er bäte sie einmal darüber nachzudenken, ob sie nicht fröhlicher und im Gottvertrauen gefestigter sein wollten. Ich habe das in einem Anfall von Wahnsinn übersetzt. Er bekam keinen Stress, aber viele Leute haben sich bei mir beklagt, sich so etwas anzuhören zu müssen. Aber mir war es wert, diese Geschichte erlebt zu haben und sie erzählen zu können. Glaube lehrt und hilft, Grenzen zu ertragen, ein Fenster zu Gott immer offen zu halten und zwischen dem einen Gott und dem selbsternannten Göttern zu unterscheiden –und nährt die Lebensfreude!

AMEN

3. Sonntag nach Epiphanias – Landesbischof Dr. Manzke